"Ach was, Kind ist Kind egal woher es kommt. Bitte du tätest mir einen großen Gefallen"
"Okay, aber wirklich nur als Aushilfe, nicht mehr und nicht länger."
Arona seufzte.
Tyrina lächelte.
Arona hatte die Nacht vor der ersten Unterrichtstunde in der Chinklasse schlecht geschlafen. Der Weg war etwas länger und sie entschloss sich die Schwebebahn zu nehmen.
Die Schule für die Kinder der wohlhabenderen Eltern war nicht prunkvoll sondern detailverliebt mit den vielen Kanten, Stufen und Wellen die über die Treppen, Decken und Wände huschten. Es war dezent und voller Wissen wie ein altes Buch mit seiner geschwungenen Handschrift.
Die Aushilfe war über die optische Zurückhaltung erstaunt und erleichtert zugleich. Bevor sie die Klasse aufsuchte unterhielt sie sich noch mit ein paar Kollegen und Kolleginnen. Es war alles sehr angenehm und unerwartet. Nach den ersten beiden Stunden in ihrer Kasse vergas sie völlig wo sie war. Sie sah nur die fröhlichen Kinder, die sich in nichts von den anderen Kindern unterschieden. Der Unterschied kam erst zum Vorschein, als die Pausenglocke läutete. Jedes Kind hatte ein kleines Köfferchen oder ein Täschlein dabei, gefüllt mit Pausentütchen. Die glitzernden und schimmernden Verpackungen waren noch teurer als der Inhalt, obwohl dieser aus bester Qualität bestand. Arona musste schlucken, denn sie kannte die Produkte. Ein paar mal war sie mit Freunden in den Geschäften für diese Leckereien gewesen und es war ein sündhafter Preis, den man für diese kleinen Glitzertütchen zu zahlen hatte.
Sie dachte: "Es schmeckt so lecker, aber zu dem Preis nicht erschwinglich für jedermann."
Arona gewöhnte sich in der Woche langsam an das Rascheln und Knistern der Tütchen die nach dem Essen wie welkes Laub in die Müllkörbe geworfen wurden. Die Kinder waren wirklich die gleichen und hatten die gleichen Gedanken und Schwierigkeiten, bis auf die Glitzertütchen.
Als die Vertretungszeit zu Ende war suchte sie die Schulbehörde auf. Tyrina hatte ihr einen Termin bei einem Mann besorgt, der mit den Schulgeldern zu tun hatte. Arona traf sich mit diesem Mann in regelmäßigen abständen und nach einem dreiviertel Jahr wurde die partnerschaftliche Schulspeisung für alle Kinder eingeführt. Alle Kinder bekamen das gleiche gute Essen wobei die reicheren Eltern die etwas schlechter bemittelten bei der Zuzahlung unterstützen.
Arona war nicht nur äußerlich eine attraktive Person sondern hatte ein großes Herz und ein offenes Ohr für die Probleme anderer. Trotz der Möglichkeit an den Schulen für besser gestellte Kindern mehr Geld zu verdienen, blieb sie bei ihren Kindern, nur hin und wieder half sie an anderen Schulen aus.

 

 

 

 

mrs. nowhere Teil 2