Sie kam zu einem Platz in dessen Mitte ein kümmerlicher
Baum wuchs. Die Struktur machte einen recht leblosen Eindruck, denn den Leuten
war er als Feuerholz hin und wieder recht, und so ragten mehr verstümmelte
als gesunde Zweige klagend in den Himmel, als flehte er um Beine, um sich
endlich rächen können.
Nach ein paar weiteren Hausecken war die junge Frau am Ziel. Das Haus schien
sie anzuzwinkern, mit der Blume auf dem Fensterladen im ersten Stock. Das
Gebäude war nicht ganz so schief wie die anderen, aber hatte das gleiche
steile Dach. Die Balken des Fachwerks waren verwittert und ein paar zerbrochene
Tonziegel lagen am Boden, die der letzte Sturm vom Dach herab geworfen hatte.
Sie ging in den kleinen Anbau, der ihnen als Stall diente. Die Frau streckte
ihre Hand aus.
"Hallo Maria meine Liebe."
Die Hand strich über den Rücken und kam langsam zum Kopf.
"Ich habe was für dich."
In den Stall drang nur etwas Licht von dem frühen Morgen. Die Frau sah
nur wage Umrisse. Sie hörte ein schnaubendes Geräusch und spürte
etwas feuchtes an ihrer Hand.
"So, wenn dir das Kraut schmeckt, dann ist es wohl essbar. Du bist doch
ziemlich wählerisch. Mal sehen, dann werd ich doch eine Suppe daraus
kochen."
Die Frau klopfte dem Tier, die Flanken und ging ins Haus.
"Schmeckt gut die Suppe! Hast du die gekocht?"
"Nein, das war Maria." antwortete Diliana.
"So, so!" Der Mann nahm ein großes Stück Brot und tunkte
es in die Suppe ein.
Die Fensterläden zum Hof und zur Straße waren geöffnet. Licht
durchdrang den kräuselnden Rauch der von der Feuerstelle kam. Wie ein
Kochlöffel rührte die Lichterflut in dem dicken Moder, der durch
das Haus kroch.
Maria beugte sich über den Tisch und tuschelte dem Mädchen etwas
ins Ohr. Nun schnitt Maria eine Grimasse und hielt sich den Hals. Die zwei
jungen Frauen fingen an zu lachen.