Der Mann beugte sich zu der Frau hinab.
"Schon etwas gekauft?" fragte er mit rauer Stimme.
"Sollte ich?"
Maria wollte sich wieder umdrehen und weiter gehen.
"Hier, ich hab was für sie." er streckte seine Hand aus und
reichte ihr ein paar grüne Blätter.
"Was soll ich damit? Ich hab kein Pferd zu füttern."
Der Reiter begann zu lachen.
"Davon kannst du dir eine gesunde Suppe kochen!"
"Was ist das?" fragte Maria etwas interessierter.
"Das ist ein Kohlgewächs. Gut für Geist und Körper."
Die Frau starrte den Reiter an und jetzt sah er für sie gar nicht mehr
so abgemagert aus. Sie erblickte ein seltsames Leuchten in seinen Augen.
"So! Wenn der Gaul schon satt ist, dann nehm ich es eben." Maria
packte zu und steckte die grünen Blätter, die zu einem dicken Bund
geknotet waren, in ihre Tasche. Noch ehe sie wieder aufblicken konnte war
der Mann verschwunden. Leise hörte sie den Hufschlag des Pferdes davon
eilen.
Maria spürte die wärmenden Sonnenstrahlen, die über die Häuserdächer
spitzelten, auf ihrer Wange. Ein leichter Wind blies frische Luft in den abgestandenen
Geruch des Marktplatzes und wirbelte ihr offenes, braunes Haar wie einen Laubhaufen
durcheinander.
Maria macht die morgendlichen Einkäufe und versuchte soviel sie konnte
zu ergattern, denn viel Geld hatte sie nicht zur Verfügung. Meistens
reichte es nur für Brot und Gemüse und manchmal für Fleisch
oder andere Waren die grade im Haushalt benötigt wurden.
Die Frau, die einen abgetragenen, dickeren Mantel trug, weil es trotz der
Sonnenstrahlen noch recht frisch war, stapfte durch den Unrat, der sich in
den Quergassen zu dem Marktplatz angesammelt hatte. Trotz der kühlen
Luft war es stickig. Sie machte kleine Schritte damit sie auf dem glitschigen
Pflaster nicht ausrutschte. Die Häuser standen hier dicht gedrängt
und es schien fast so, als würden sich die Giebel zu ihr herunter beugen,
wie Bäume die vom Wetter herumgeschupst wurden. Luken und Fenster standen
offen und schauten neugierig zu ihr herab. Irgendwo ertöte das Geräusch
von einem Schwall Wasser, das ausgeschüttet auf das Pflaster plätscherte.
Unbefestigte Fensterläden klapperten an Häuserwände, als wollten
sie Marias Schritte, die grazil durch den Unrat glitten und dann geschwind
durch einen Torbogen liefen, beklatschen.