Es war eine dunkle Zeit. Das Licht des nächsten Tages zu erblicken war äußerst mühsam und nicht jedem vergönnt, denn nur zu arg wurden die Menschen in den verschiedensten Formen malträtiert. Jeder Tag war ein Kampf. Ein Kampf sich in den widrigen Umständen, die in vollen Kübeln über den Köpfen der Menschen ausgeleert wurden und wie die Pest an ihm hängen blieb, zurecht zu finden, bis der Tod den Menschen leblos zur Erde warf.
Gesetze zum Schutz der Bevölkerung waren außer Kraft, denn tapfere Beschützer die Zuflucht gewährten, wurden mit samt ihres Edelmutes vom Ross gerissen und eine Meute, wie fressende Parasiten, ebneten ihnen den Weg ins Jenseits. Furcht und Angst lähmten die Leute diesem Todesstrudel zu entrinnen. Niemand sah sich mehr verpflichtet dem Nächsten zu helfen, um den Göttern Freude zu bereiten, sondern viel mehr um seines eigenen Nutzens gerecht zu werden, nach dem Motto, Milchkühe haben Euter, aber nicht zwangsläufig Beine auf denen sie stehen müssen. So abstrus dieses Bild auch erscheinen mag, hier war es Bestandteil des Lebens, das mit jedem Tag finsterer wurde. Langsam schlich der Alltag durch die Gassen und über die Felder und suchte sich seine Opfer, die sich ohnmächtig vor Angst ergaben und verblassend in dem moorastigen Todesland verschwanden.
Maria stand auf dem Markt. Um sie herum war lebendiges Treiben. Sie hörte die Stimmen von Menschen, die um Preise feilschten, Schritte die schnell über das Pflaster rannten, flatternde Geräusche von den Stoffen, die an den Buden den Verkäufern Windschutz spendeten, ein Kläffen von einem Hund und das Knirschen von beschlagenen Rädern, die vorbei rollten.
Sie schlängelte sich durch die Menge und beäugte die Menschen, die über den großen Platz, wie vom Wind durchblasene Blütenblätter, verteilt waren. Die Farben waren bunt gemischt und man konnte in dem wogenden Meer nicht gleich erkennen, welcher Arm oder welches Bein zu wem gehörte. Alles war wild durcheinander gemischt und die Klänge die an Marias Ohr drangen bestätigten dies.
Maria spürte eine leichte Berührung an der Schulter. Schnell drehte sie sich um.
"Guten Tag gnädige Frau!"
Sie blickte in die Augen eines Reiters, dessen Tier mehr Pferd als nur Gaul war. Das Fell des Pferdes glänzte und es sah kräftig und gesund aus. Das Ross musste gut im Futter stehen, was man von dem mageren Reiter allerdings nicht behaupten konnte.

 

 

Teil 1