Ihr Hals schnürte sich vor Angst zusammen. Sie suchte zitternd nach dem Lichtschalter. Mit dem ersten Lichtblitz ertönte ein schreckliches Gejohle. Erschrocken hielt sie sich die Ohren zu. Die Schreie wurden noch lauter und ihr Ballett tanzte um sie herum und schrie immer wieder:
"Alles Gute, alles Gute!"
Eine Flaschen Schnaps wurden herum gereicht. Verwirrt folgte sie dem ausgelassenen Treiben. Ein hübsches Mädchen hielt ihr die Flasche hin. Die ältere Frau schüttelte verächtlich den Kopf.
Fast eine halbe Stunde ging es noch so weiter, auch nach dem die Balletttrainerin alle Vorhänge geöffnet und der Spiegelsaal sich in einen glitzernden Kristall verwandelte hatte. Langsam begriff sie auch was die ganze Freude sollte. Der Onkel von Andrea, der im Stadtrat saß, hatte aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass das Ballett als das beste, im südlichen Teil des Lands, ausgezeichnet wurde. Wenn alles gut verläuft, meinte Andrea, dann könnte die gesamte Truppe nächstes Jahr als zweites Team, ihr Land bei den Meisterschaften vertreten. Aber natürlich nur mit der Zustimmung der Balletttrainerin. Andrea sah Anita an und genoss die Verwunderung der älteren Frau.
"Das überlege ich mir noch. Außerdem müssen wir das mit Herrn Znidaritsch abklären. Immerhin haben wir Verpflichtungen gegenüber dem Theater."
"Ja, ja. Ich bin mir sicher du wirst das schon regeln. Stell dir doch nur vor wir werden erste. Der Glanz und der Ruhm, der dann auf dich fallen würde."
Die Wangen der jüngeren Frau erröteten vor Begeisterung.
"Andrea. Es ist natürlich schön im Rampenlicht zu stehen, aber es ist hart. Außerdem ist es doch noch gar nicht sicher. Warte erst mal die schriftliche Mitteilung ab." Anita nahm die Hand von Andrea und drückte diese beruhigend, wie eine Mutter.




Teil 23