Demonstrativ zerknüllte der Mann einen Programmzettel des
Stücks und warf diesen zum Fenster hinaus.
"Guter Wurf Herr Direktor, aber ich brauche trotzdem noch eine Woche.
Früher schaffe ich es auf keinen Fall mit meinem Ballett."
Die durchtrainierte Frau schritt graziös zum Fenster und suchte nach
dem Papierknollen auf dem Theatervorplatz, der kahl und schmucklos dalag.
"Sie können es, ich weiß das. Die Premiere wird ein Knaller,
vertrauen Sie mir nur."
Mit diesen Worten die mehr Befehl als Aufmunterung waren verabschiedete sich
der Theaterdirektor von seiner Ballettdame.
Der Flur war nicht beleuchtet. Sie setzte vorsichtig ein Bein vor das andere.
Vorhin war der Gang hell. Jemand musste den Vorhang zugezogen haben. Aber
warum nur? Sie stützte sich an der Wand ab, während sie darüber
nachdachte. Sie spürte die Raufasertapete durch ihren dünnen Pullover.
War es nur ein dummer Scherz? Ist ihrer Vorgängerin nicht etwas seltsames
zugestoßen? Ihre Fingerspitzen fuhren nervös über die Tapete.
Sie spreizte ihre Beine und glitt an der Wand entlang zum Fußboden hinab.
Es spannte ein wenig. Sie war nicht mehr so gelenkig wie früher. Im Spagat
ließ die Ballerina sich auf den Rücken fallen während sie
die Schenkel gegen die Wand drückte. Sie überlegte angestrengt.
Sie hatte mitbekommen, als der Direktor einmal erregt telephonierte, wie das
Wort Schließung fiel. Ihre Vorgängerin ist die Treppe hinuntergefallen.
Die Treppe die hinter der nächsten Flurwindung lauerte.
"Wenn doch nur der große Vorhang offen wäre." dachte
sie, ein wenig zitternd.
Der Saal, in dem ihr Ballett wartete befand sich im anderen Gebäudeteil.
"Ich geh zurück und zum Seiteneingang ins Nebengebäude. Wenn
es ein Scherz ist! Die werden sich über meine Angst lustig machen. Die
alte graue Oma, hat Angst vor der Dunkelheit. Ich bin wirklich schon alt.
Früher hätte ich noch den Mut gehabt."
Entschlossen sprang sie auf und schritt in Richtung Ballettsaal. Ihre Finger
glitten über das Treppengeländer. Angestrengt stierte sie in die
Schwärze. Der nächste Lichtschalter wartete ein Stück hinter
dem Treppenaufgang auf sie. Angespannt hüpfte die Ballerina an der Treppe
vor bei, den Gang hinunter in den Saal. Die Tür öffnete sich quietschend.
Dunkelheit und Stille empfing sie.