André ging in die Küche und begann mit den Vorbereitungen für ein größeres Essen.
Sein Messer klackerte auf der Arbeitsfläche und klang rhythmisch wie eine Schreibmaschine.
Anna war auch anwesend und sah ihm für einen Moment zu als er eine Zitrone filetierte und damit das silbrige Tablett dekorierte.
"Soll ich auch Deko schneiden?" fragte das Küchenmädchen
André drehte sich um und sah Anna an ohne dabei etwas zu sagen. Sie war eine Frau mitte- oder anfangzwanzig, hatte dunkle Augen und Haare und war vom Körperbau her
zierlich. Ein Fenster stand offen und der Wind bewegte leicht die Haare der Frau. Verunsichert strich sie sich die Haare aus dem Gesicht. Die Küchenlampe schimmerte auf ihrer kleinen Stupsnase.
"Was ist? Warum schaust Du mich so an?" erkundigte sich die Küchengehilfin während sie einen Schritt zur Seite ging
"Ist es dir unangenehm?"
"Ja, schon! Dein Blick ist so durchdingend, als wenn du alles in mir sehen könntest!"
André legte das Messer beiseite und kam näher.
"Warum ist das unangenehm?"
"Weil...." sie stockte "ich komm mir ausgeliefert und vollkommen schutzlos vor."
"Hilflos?"
Sie blickte zu Boden. André berührte ihre Wange.
"Schau mich an!"
Sie richtete ihren Kopf auf.
"Liegt dir was an mir?" fragte er
Anna nickte. Ihre Augen leuchteten und nun wurde André etwas nervös.
"Was möchtest du denn am liebsten machen?"
"Hm.. ich weiß nicht."
"Ich glaub mit Karotten kannst du es ganz gut!"
André nahm das Messer und reichte es Anna.
"Ich finde so einen schönen Knoten wie du, bringe ich nicht in hundert Jahren hin."
Sie trat ganz dicht zu ihm und umschloss das Messer, das er noch festhielt.
"Karotten sonst nichts?"
Er spürte ihren Duft in seiner Nase und glaubte ihre Haare in
seinem Gesicht sanft zu fühlen, wie ein Tuch das den Schweiß abtupfte.
"Deine Radieschen schauen auch toll aus!"
André lies das Messer los. Anna ging zu ihrer Arbeitsplatte und schnitt dann Dekoration aus Gemüse.
Der Koch öffnete den Ofen und sah nach dem Gänsebraten, den er noch etwas mit Flüssigkeit bestrich, damit er knuspriger wurde.
"Oh Gott, gut dass ich was zu Arbeiten habe, das mich ablenkt." dachte sich André als er den Ofen wieder schloss
Die Festlichkeit war vorbei und die Tiefe der Nacht war zum Morgen gerückt. Nachdem die Küche wieder in Ordnung gebracht war ging André nach Hause.


Teil 6